Künstler und andere Verrückte.

 

Wortgewaltige Prediger und mitreißende Musik findet man in vielen amerikanischen Kirchen. Die Forefront Church in New York hat einen besonderen Weg gefunden, kreative Menschen anzusprechen. In der Nähe des Central Parks habe ich Matthew Kern getroffen, der für Forefront die Creative Guilds koordiniert.

Matthew, was genau sind Creative Guilds?

Unsere Kirche hat zwei Gemeinden, eine in Manhattan und eine in Brooklyn. Diese Stadt hat natürlich eine gigantische Kreativszene und wir wollten unbedingt als Kirche stärker mit Künstlern interagieren, weil wir glauben, dass das in Kirchen oft zu kurz kommt. Also haben wir vor anderthalb Jahren die Gilden gegründet. Da treffen sich in der Regel einmal im Monat Leute, die sich für eine bestimmte Kunstform interessieren und selber in irgendeiner Form kreativ tätig sind.

Welche Gilden gibt es bei euch mittlerweile? 

Zur Zeit gibt es acht verschiedene Gilden. Eine für Songwriter, eine für Schriftsteller, eine für Modedesigner, eine für Hacker, eine für Fotografen, eine für Grafikdesigner, eine für Theaterleute und eine Movement-Gilde für Tänzer. Demnächst startet eine zu „Architektur und Design“. Die meisten davon haben wir gar nicht gezielt gegründet, sondern wir haben in der Kirche von der Idee der Gilden erzählt und gesagt: Wenn du Lust hast, eine Gilde zu einer bestimmten Kunstform zu leiten, dann melde dich und du kriegst von uns die Unterstützung. Tatsächlich sind die meisten Gilden auch so entstanden, dass irgendjemand gesagt hat: Das ist voll mein Ding, ich organisiere das. Und dann haben wir das in der entsprechenden Szene verbreitet. Zu den Gilden gehören also immer Leute, die das über Forefront erfahren haben und welche, die mit uns bisher gar nichts zu tun haben.

Und wie kann man sich ihre Treffen vorstellen?

Was die einzelnen Gilden tun ist natürlich sehr unterschiedlich. Manche lassen sich von biblischen Themen inspirieren und schreiben dann zum Beispiel gezielt Songs dazu, manche tauschen sich einfach aus über Projekte an denen sie gerade dran sind. Zwei Dinge sind wichtig: Erstens muss man nicht zu unserer Kirche dazugehören oder Christ sein, um zu kommen. Und zweitens spielt es keine Rolle, wie gut man eine bestimmte Kunstform beherrscht, Interesse daran genügt völlig. Die meisten Gilden bestehen aus Profis und guten Amateuren, aber auch blutigen Anfängern.

Heißt das, die Gilden sind für Forefront Church eine Möglichkeit, von der Arbeit kreativer Menschen zu profitieren?

Ja und nein. Die meisten Leute aus den Gilden würden sofort merken, wenn man sie einfach nur für „Kirchenzwecke“ vereinnahmen wollte. Natürlich fragen wir auch manchmal jemanden aus einer Gilde, ob er uns nicht bei diesem oder jenem Projekt unterstützen kann. Das ist dann aber nicht unbedingt Thema bei den Gildentreffen. Die dienen eher dazu, mit Leuten zusammenzukommen, die ein ähnliches Interesse haben und davon persönliche Inspiration mitzunehmen. Wir in der Fotografengilde stellen uns zum Beispiel für jeden Monat eine Fotochallenge. Dabei versuchen wir zu einem bestimmten Thema zu fotografieren, zum Beispiel „Gesichter“ oder „Licht und Schatten“. Die Ergebnisse teilen wir im Netz miteinander und dadurch kommt es immer schon zu einem sehr spannenden Austausch. Manche Gilden sind aber auch von sich aus sehr diakonisch orientiert. Die Hackergilde unterstützt zum Beispiele einige soziale Projekte in New York dadurch, dass sie deren Websites verbessert oder ihnen überhaupt erst welche aufbaut.

Der christliche Autor Donald Miller hat vor einiger Zeit mit dem Statement für Furore gesorgt, dass er sich Gott nicht besonders nahe fühlt, wenn er Worship Lieder singt oder eine Predigt hört, sondern dass er Gottes Nähe vor allem in seiner kreativen Arbeit erlebt. Sind die Gilden eine Reaktion auf eine ähnliche Erfahrung bei euch?

Das kann man so sagen, ja. Natürlich ist auch in vielen Gottesdiensten Platz für Kreativität, aber ich glaube, dass es vielen Menschen so geht wie Donald. Wenn eine Kirche dazu da ist, Menschen zu Jesus zu führen, dann sollten wir ihnen die Möglichkeit geben, das auf die Weise zu tun, die ihnen am meisten liegt. Besonders wenn dabei auch noch Dinge rauskommen, die wiederum inspirierend für andere sind.

Mehr zu den Creative Guilds gibt es hier.