Nothing shall be impossible

Am Highway reiht sich ein riesiges Werbeplakat an das andere. Sie weisen auf Schnellrestaurants hin oder sind Teil politischer Kampagnen für den nächsten Gouverneur.

Nach über 1000 Kilometern im Auto nehme ich kaum noch eines richtig zur Kenntnis.

Und dann schaue ich plötzlich in das strahlende Gesicht eines älteren Mannes, der eine viel zu große Hose vor seinen schmalen Körper hält.

„Nothing shall be impossible“ steht daneben und entlockt mir ein Schmunzeln, weil ich an diese Toyota-Werbung aus den 90ern denken muss. Die mit den singenden Affen.

Allerdings wird hier nicht für Autos geworben.

Die Botschaft kommt von Saint Thomas Health, einem der größten kirchlichen Krankenhausverbünde im mittleren Westen der USA. Jetzt ist auch klar, dass der Spruch nicht von den japanischen Autobauern geklaut wurde, sondern biblische Wurzeln hat.

Denn für Gott ist nichts unmöglich (Lk 1,37).

Die Kampagne zeugt von einer gewissen Selbstironie und einer cleveren Kommunikationsabteilung.

Erstens spielt Saint Thomas mit der weit verbreiteten Fortschrittsgläubigkeit. Irgendwann wird man sicher alle Krankheiten heilen können, heißt deren zugehöriges Credo. Mit einem klaren Profil als „faith-based service“ weist Saint Thomas dagegen auf eine andere Dimension im Umgang mit Krankheit hin – und verspricht gleichzeitig die bestmögliche medizinische Hilfe.

Auf der zugehörigen Website

nothingshallbeimpossible.com finden sich beeindruckende Geschichten von Patienten, die in Saint Thomas schwere Krankheiten besiegt haben. Aber auch von Ärztinnen und Pflegern, die davon erzählen, wie ihnen ihr Glaube und das Beten Kraft gibt, gerade in den Situationen, in denen sie all ihre Möglichkeiten ausgeschöpft haben. Natürlich hilft das dem Ansehen des Gesundheitsriesen in einem hart umkämpften Markt, aber die Geschichten können eben auch Betroffene inspirieren und die Identifikation der eigenen Mitarbeiter mit ihrer Tätigkeit stärken.

Ich bin froh,

dass die Caritas und andere kirchliche Hilfsorganisationen in Deutschland häufig auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam machen, die sonst unbemerkt bleiben würden.

Aber ich stelle auch an mir selbst fest,

dass ich einem Anliegen oder einer Bitte um Spenden viel eher zuhöre, wenn es mir zuerst mit einer Geschichte nahegebracht wird, die mir Mut gibt, dass sich auch etwas positiv verändern lässt.

Noch viel wichtiger aber scheint mir: Wenn soziale Initiativen und Träger wirklich „den Armen eine Stimme geben“ wollen, dann sollten sie sie auch wirklich selbst erzählen lassen – gern auch davon, wie das Unmögliche möglich wurde.

Nothing shall be impossible